Kirche zu Kraak - Kirchengemeinde Uelitz

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Die Kirche zu Kraak
Dorf und Kirche sind geprägt von der großen Zeit des Johanniterordens, der hier am Schnittpunkt wichtiger Handelswege bis zur Säkularisierung in der Reformationszeit ( 1549 bzw. 1552 ) eine Komturei unterhielt. So ist es zu erklären, dass diese Kirche die kunstgeschichtlich wertvollste der Gemeinde darstellt. Die Kirche ist wahrscheinlich im 14. Jahrhundert bzw. Anfang des 15. Jahrhunderts  errichtet. Genauere Angaben sind wegen fehlender Detailformen nicht möglich. Angesichts der großen geschichtlichen Rolle des Ordens erscheint die einfache Gestalt der Kirche überraschend. Die Kirche ist als einschiffiger Backsteinsaal mit einem zum Rund verschliffenen Chorabschluss ausgeführt, wobei die Längsmauer im Süden länger als im Norden ist. Der Westgiebel lässt auf einen geplanten Turm schließen. Vor der Kirche ein hölzerner Glockenstuhl (erneuert 1993) mit einer Stahlglocke (1949).
Detail an der Südwand:
Opus spicatum (Ährenwerk), beim Betrachten einer Reihe entsteht der Eindruck einer Getreideähre.
Hier sehen wir einen Ausschnitt aus dem Flügelaltar: Maria als Himmelskönigin mit dem Kinde auf dem Arm, dazu die Umschrift: Sancta Maria ora pro nobis. Der Altar zeigt die Handschrift des Johanniterordens: links Johannes der Täufer, rechts Johannes der Evangelist. In den Flügeln die Figuren der 12 Apostel. Unter dem Mittelschrein, in der Predella, sechs Büsten weiblicher Heiliger. Der Altar (restauriert 1911) ist bis auf die Bemalung der Rückseite in gutem Zustand. Seine Herkunft ist unbekannt, die Datierung lediglich aufgrund des Faltenfalls als ausgehende Gotik einzustufen. Dies gilt auch für die Triumphkreuzgruppe, der eine Nähe zur Schule des Claus Berg
(Apostelfiguren im Dom zu Güstrow/Meckl) nachgesagt wird. Die Figur des Patrons der Kirche Johannes der Täufer ist aus dem für Norddeutschland typischen Material: Eichenholz.
Die Orgel ist ein Werk von Friedrich Hermann Lütkemüller (1815 bis 1897) aus Wittstock/Dosse (Brandenburg) und entstanden 1892. Sie hat ein Manual C-d''' mit sechs Registern und einem Pedal C-c'.
Als einziges Werk im westmecklenburgischen Raum konnte es durch die Firma Hoffmann-Hamburg generalüberholt und mit einer Winderzeugungsanlage ausgestattet werden. Auch nach über 100 Jahren zeichnet es sich durch außergewöhnliche, über das allgemein übliche Maß hinausgehende handwerkliche Güte aus, einem Markenzeichen Lütkemüllers. Die Kosten sind ausschließlich durch Spenden getragen worden.
Literatur über Lütkemüller: Pape, Prof. Dr. Uwe, Friedrich Hermann Lütkemüller, (Norddeutsche Orgelbauer  und ihre Werke, Band 1)
Pape-Verlag Berlin, demnächst in 2. Auflage,
sowie: Lütkemüller-Orgeln im Müritzkreis, Hrsg. Freundeskreis Mecklenburger Lütkemüller-Orgeln e.V., zu beziehen über: Drese, Friedrich, Meckl. Orgelmuseum, Kloster 26, 17213 Malchow (Meckl), Tel.:+49 (39932) 25 37.
Hier sehen wir Orgelbaumeister Heinz Hoffmann und Lehrling Tilman Daewel bei ihrer Arbeit.
Blick ins das Innere der Kirche während des Konzertes zur Wiedereinweihung der restaurierten Orgel am 19. November. Etwa 120 Zuhörer erfreuen sich am schönen Klang der Orgel, den Spendern wird mit einem Blumenstrauß gedankt. Der Beifall gilt den Sängern des Heinrich-Schliemann-Gymnasiums Schwerin und ihrem Leiter Jan von Busch.
Jan von Busch-Schwerin an der Orgel während des Konzertes am 19. November 2000.
Die Kanzel, gestiftet 1697 von Gotthardt Christopher Klentz, wie auch der silber-vergoldete Abendmahlskelch gestiftet 1691 von Hans Albrecht Klentz, weisen auf eine geschichtliche Besonderheit hin: In direkter siebenter Generation zum Stifter des Abendmahlskelches stand der (1998 verstorbene) Kaufmann Hanns-Albrecht Klentze aus Großhansdorf bei Hamburg. Dessen Enkel Béla Klentze in Gilching bei München ist also Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Urenkel des Abendmahlskelchstifters. Jedoch: Diese Öffnung von Geschichte ist nur durch die Einheit Deutschlands möglich geworden, denn die Kenntnis hierüber blieb uns bis dahin verborgen.

Eine Fotodokumentation -> Frieda Langner
Evangelische Kirchengemeinde Uelitz
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