Informationen zur Kirchengemeinde - Kirchengemeinde Uelitz

Direkt zum Seiteninhalt
Informationen zur Kirchengemeinde Uelitz
Vier schöne Schwestern - Die Kirchen der Kirchengemeinde Uelitz

Trotz  der Kriege und Verwüstungen vergangener Jahrhunderte hat Mecklenburg  eine vielfältige Kirchenlandschaft bewahrt. Der Anteil der  Kirchengemeinde Uelitz an diesem Erbe ist in zweifacher Hinsicht  bemerkenswert. Die Kirchen in Kraak, Uelitz, Goldenstädt und Mirow  wurden in allen für unsere Region wichtigen Epochen der Baukunst  errichtet. Und sie beherbergen Kunst- und Kulturgüter, über deren  Bedeutung viel zu wenig bekannt ist. Diesem Mangel soll hier und in den  folgenden Bilderbögen ein wenig abgeholfen werden.
Auch wenn wir  damit die Bauzeiten etwas durcheinander werfen und Goldenstädt an die  erste Stelle gehörte, beginnen wir mit der Kraaker Kirche. Sie liegt für  den Durchfahrenden unscheinbar nördlich des Mühlenbaches. Ein  Kirchenbau der Johanniter aus dem 14. Jahrhundert, den viele Autoren -  gemessen an der Bedeutung des Ordens - für eher bescheiden halten. Die  einschiffige Kirche ist vier Joche lang und trägt Strebepfeiler an den  Außenwänden. Der Ziegelverband ist unten noch wendisch, seinen oberen  Teil prägt Fischgrätenmuster. Merkwürdig ist der schief verschliffene  Schluss des Chores, der bis heute Vermutungen nährt, er könnte eine  symbolische Bedeutung tragen - das geneigte Haupt des gekreuzigten  Christus etwa. Statt eines Turmes besitzt die Kirche einen schönen  Westgiebel, dessen pilasterförmig vortretendes Mauerwerk ein  Treppengiebel krönt.

Wer  durch das Portal ins Innere tritt, erblickt schimmernd im Chor des  spärlich beleuchteten Schiffes das Kleinod der Kraaker Kirche, den  bemalten Schnitzaltar aus der Zeit um 1500. Die Johanniter leisteten  sich ihn, als ihre Herrschaft in Kraak bereits langsam dem Ende entgegen  ging. Die Schnitzfiguren wurden sogar hölzerne Zeugen einer Erstürmung  der Kirche, als die Herzöge von Mecklenburg während der Reformation ihre  Hand auf die Komturei legten. Mit schön geschwungenem Gewand steht  Maria das Christuskind haltend auf der Mondsichel. Johannes der Täufer  und Johannes der Evangelist stehen ihr zur Seite. In den beiden  Kastenflügeln stehen die zwölf Apostel, in der Predella, dem Unterteil  des Altars, sechs Halbfiguren heiliger Frauen. Unter Ihnen sind neben  Anna Selbdritt die "Quattuor virginis capitalis", die vier  "Hauptjungfrauen" Barbara, Margarethe, Katharina und Dorothea an ihren  Beigaben zu erkennen. Wenn die Flügel des Altars in der Passionszeit  verschlossen wurden, sahen die Gläubigen auf ihren Rückseiten die heute  stark beschädigten Darstellungen der Heimsuchung Marias und der Anbetung  der Könige.

Die  Reformation führte schließlich die Gläubigen weg von der mystischen  Heiligenverehrung und hin zur Verkündung des Evangeliums. Die Kanzel aus  der Barockzeit mit kunstvoll verziertem Korb und Schalldeckel mahnt zum  Hören auf das Wort Gottes. Die ausdrucksstark geschnitzte  Triumphkreuzgruppe an der Südseite gehört ebenfalls zu den  herausragenden Ausstattungsstücken der Kraaker Kirche, die nach dem  Gottesdienst zum Verweilen und Staunen einladen.

Dr. René Wiese
Evangelische Kirchengemeinde Uelitz
Zurück zum Seiteninhalt